Neugierig bleiben!

Neugierig bleiben!

Warum wir Ideen in Unternehmen wachsen lassen sollten!  

 

Wann hast du das letzte Mal ein Kind beim Spielen beobachtet? Es ist ein wahrer Genuss und ich kann es jedem nur dringend empfehlen. Kinder können mit einer Hingabe und einer Geduld spielen, die uns Erwachsenen irgendwann abhanden gekommen zu sein scheint. Sie tauchen völlig in ein Spiel ein und vergessen dabei Raum und Zeit. Aber nicht nur das. Kinder haben diese unbefangene Neugierde, die sie leitet und mit der sie sich etwas Neues erschließen. Dabei sind sie voll konzentriert und wenn sie dann dieses Neue durchdrungen haben, strahlen sie bis über beide Ohren und freuen sich diebisch. Warum glauben wir Erwachsenen eigentlich, dass es für uns nichts Neues mehr zu erkunden gibt? Warum machen wir es uns nicht zur Aufgabe (denn wir brauchen ja immer Aufgaben), jeden Monat, jede Woche oder gar jeden Tag etwas Neues zu erkunden? Erfolgreiche Menschen tun nämlich genau dieses! Selbst Seneca (4 v. Chr. bis 65 n. Chr.) war sich dessen schon weit vor unserer heutigen Zeit bewusst und hat es wie folgt formuliert: "Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden"!  

 

Erwecke das Kind in dir aus dem Dörnröschenschlaf!

Dabei ist es eigentlich so einfach und der Spaß ist vorprogrammiert. Wer von uns läuft schon gerne Tag ein Tag aus auf den immer gleichen ausgetretenen Pfaden? Aber woher die Ideen nehmen, höre ich Euch vielleicht fragen? Ja, das ist zugegebenermaßen der schwierige Part an der Sache, denn ihr müsst dazu raus aus Eurer Komfortzone. Und es ist insofern anstrengend, weil wir dabei unser frontales anstatt unser limbisches Gehirn brauchen. Sind wir es gewohnt, immer nur mit unserem limbischen Gehirn (hier sind Gewohnheiten verankert, die es uns erlauben Dinge zu tun, ohne groß darüber nachzudenken, wie bspw. Autofahren) zu arbeiten, dann wird es zunächst anstrengend sein, mit dem frontalen Gehirn (hier erschließen wir uns Neues, lernen, probieren, tüfteln, ergründen wir und befinden uns auf ungewohntem Terrain) zu arbeiten. Ist es nicht verrückt, dass wir uns unzähligen sportlichen Aktivitäten stellen und unsere Muskeln trainieren, nur um fit zu bleiben und den 'Muskel' in unserem Gehirn dabei völlig außer Acht lassen? Dabei will dieser Muskel (unser frontales Gehirn) genauso trainiert werden wie bspw. unser Trizeps. Wie bei jeder Sportart brauchst du einen Trainingsplan. Aber Achtung! Sind die Trainingseinheiten zu groß und anspruchsvoll, läufst du Gefahr, dass du schnell die Lust verlierst und dein Vorhaben aufgibst. Ich rate hier zu dem Weg der kleinen Schritte. Nimm dir doch jede Woche eine Aktivität vor, die du zuvor noch nie gemacht hast. Oder nimm dir jeden Monat ein Buch über ein interessantes Thema vor, das dich schon lange interessiert. Die kleinen Schritte sind aus meiner Sicht umso wichtiger, je eingespannter du im Beruf- und Privatleben bist. Denn immer dann, wenn wir etwas Neues in unser Leben integrieren wollen, braucht es Beharrlichkeit und Disziplin, bis sich dieser 'Muskel' aufgebaut hat. Wichtig ist ferner, dass du mit Leichtigkeit an dein neues Vorhaben gehst, denn du willst ja dass deine Kreativität und damit deine Ideen wieder in Gang kommen. Also bitte nicht verkrampfen oder gar verbissen dran gehen. Je lockerer du bist, desto mehr kommst du wieder in das Gefühl der kindlichen Unbefangenheit.  

Ideen sind wie zarte Pflanzen

Ich habe unlängst von einem Fall gehört, da hatte ein Mitarbeiter eine geniale Idee, zur Vereinfachung eines Genehmigungsverfahrens innerhalb eines Unternehmens, in dem die papierhafte Form durch eine digitale Lösung abgelöst werden sollte. Er hatte einen Business Case geschrieben und die enormen Einsparungspotenziale aufgezeigt. Das neue Verfahren hätte u.a. zur Folge, dass jährlich 55.000 (!) interne Hauspost-Sendungen (ja, auch das gibt es noch) entfallen würden. Das neue Verfahren wurde tatsächlich in 2016 in dem Unternehmen eingeführt. Von der Idee bis zur Umsetzung hat es allerdings 10 Jahre gedauert. 10 Jahre und 550.000 interne Hauspostsendungen später! Wie überzeugt muss dieser Mitarbeiter von seiner Idee gewesen sein, dass er sein Durchhaltevermögen und seine Beharrlichkeit über so viele Jahre aufrecht erhalten hat? Immer dran geblieben ist und die Hoffnung nicht aufgegeben hat, dass eines Tages sein "Baby" doch noch das Licht der Welt im Unternehmen erblickt? Die Tragik an dieser Geschichte ist, dass jener Mitarbeiter Ende 2016 in Ruhestand gegangen ist. Und die noch größere Tragik ist, dass diese Neuerung ganz still und leise eingeführt wurde und nur ganz wenige Kollegen das Tool so detailliert kennen, um es weiter entwickeln zu können. Denn in diesem Tool steckt viel mehr, als mit der ersten Einführung möglich war. Wie viel mehr könnte man mit diesem Tool noch vereinfachen, würde sich nur ein Mitarbeiter dessen annehmen. Nur wer tritt in die Fusstapfen dieses Mitarbeiters und kämpft den Kampf weiter? Wahrscheinlich niemand. Denn wer will schon 10 Jahre gegen Windmühlen kämpfen? 

 

Ein guter Nährboden ist entscheidend!

Wenn man diesem Mitarbeiter sofort Gehör geschenkt, wie viel mehr Verbesserungsvorschläge hätte er wohl in 10 Jahren entwickelt und wieviel Effizienzsteigerungen hätte er generiert - beflügelt von dem Wissen, dass man seinen Ideen Gehör schenkt? Wieviel Motivation könnte man in diesem Unternehmen in jedem einzelnen Mitarbeiter entfachen, wenn man ihre Vorschläge ernst nehmen würde? Wieviel mehr würden sich Mitarbeiter mit diesem Unternehmen identifizieren, wenn sie wirklich als Teil des Systems verstanden würden, dass dieses weiter entwickelt? Natürlich ist nicht jede Idee bahnbrechend. Natürlich sind auch manche Ideen sogenannte Rohrkrepierer. Aber das macht in meinen Augen gar nichts. Denn es geht doch vielmehr darum, welche Kultur in einem Unternehmen geschaffen werden kann, wenn man Mitarbeiter dazu ermutigt, ihre Ideen und damit auch ihre Potenziale fördert. Fallen diese Ideen auf einen guten Nährboden, kann Neues entstehen. Fallen sie hingegen auf Sand, verkümmern sie und werden mit dem nächsten Windhauch davon getragen und verschwinden auf nimmer Wiedersehen im Universum. 

Also, wann immer ein Mitarbeiter mit einer neuen Idee zu dir kommt (und du nicht in einem Unternehmen arbeitest, das über ein etabliertes Innovationsmanagement verfügt), solltest du folgendes dabei bedenken und beachten, bevor du ihm antwortest:

  • wahrscheinlich trägt er diese Idee schon eine ganze Weile mit sich herum, hat immer wieder daran gefeilt, bis er sie für 'rund' hielt
  • es kostet deinen Mitarbeiter bestimmt Überwindung, dir seine Idee vorzutragen, weil er nicht weiß, wie du diese bewerten wirst
  • unterbrich ihn nicht, achte auf deine Gestik & Mimik und höre aufmerksam zu, bis dein Mitarbeiter fertig ist! 

Mit deiner Antwort bist vor allem du es, der den Nährboden bestimmt:

  • bedankst du dich bei deinem Mitarbeiter, dass er ein Problem erkannt und sich dafür eine Lösung überlegt hat, dann zeigst du deinem Mitarbeiter damit nicht nur, dass du sein Engagement wertschätztst, sondern du öffnest damit auch die Tür für künftige Ideen
  • stellst du Verständnisfragen, trittst du in den Dialog mit deinem Mitarbeiter, dann signalisierst du nicht nur Interesse und dass du ihn und seine Idee ernst nimmst, sondern im Gespräch mit dir kann sich unter Umständen die Idee noch weiter entwickeln und einen zusätzlichen Reifegrad erreichen
  • überlegst du gemeinsam mit deinem Mitarbeiter, wie ihr die Idee im Unternehmen weiter tragen könnt, dann erhöhst du dich nicht über ihn, sondern machst dich mit zu einem Verbündeten und zeigst deinem Mitarbeiter damit Schulterschluss! 

Es gibt empirische Untersuchungen, die fundiert aufzeigen, wie viel Einsparungspotenziale im Durchschnitt jede Idee generiert und wie hoch die Halbwertzeit einer Idee ist. Dabei wurden die Ideen auch nach ihrer Innovationskraft klassifiziert. Und natürlich gibt es auch hier eine Normalverteilung, denn nicht jede Idee kann ein ‚Einhorn‘ sein. Aber es gibt inzwischen auch sehr viele gute technische Lösungen, die ein gezieltes Ideen- und Innovationsmanagement in Unternehmen ermöglichen. 

Wenn du mich fragst, sollte jedes Unternehmen ein solches Tool einführen, denn vermutlich lassen all jene Unternehmen jährlich einen hohen sechsstelligen Betrag brach liegen, den sie generieren könnten, würden sie den Ideen ihrer Mitarbeiter einen gesunden Nährboden bieten! 

Ein Vorstand, den ich sehr schätze, hat mal gesagt, als es wieder darum ging, was das ‚Unternehmen‘ alles tun müsste: "Das Unternehmen? Wer, wenn nicht wir, sind das Unternehmen?"!

 

In diesem Sinne, sei du das Unternehmen, in dem du arbeitest!

Kommentare: 0 (Diskussion geschlossen)
    Es sind noch keine Einträge vorhanden.